Riding on steel through the Alps – mit Stil durch die Alpen beim Engadin Radmarathon

Der Engadin Radmarathon übte bei der Saisonplanung einen besonderen Reiz auf mich aus. Mit vier Pässen jenseits der 2000 m Marke und knappen 4000 Höhenmetern in der Summe auf der 211 km langen Strecke sicherlich ein sehr hartes Stück Arbeit, für die man aber auch mit wunderschönen Ausblicken in den Schweizer Alpen und einem kleinen Gastspiel in Italien belohnt wird. Das war überzeugend und schon war der Startplatz gebucht.

Das Veranstaltungswochenende mit dem Rennen am Sonntag rückte näher als ich erfuhr, dass ich Samstagvormittag einen Pflichttermin in der Uni habe. Das war hart und warf die Planung über den Haufen, alles würde nun noch anstrengender und knapper werden. An eine Nichtteilnahme wollte ich aber nicht denken… Zu meinem großen Glück begleitete meine Freundin mich auf diesem Trip und holte mich um 11 Uhr nach erfolgreicher Präsentation aus dem Seminar ab und wir fuhren los. Den Stahlrahmen, gebaut von Sven Krautscheid, hatte ich bereits am Vorabend ins Auto gepackt, nachdem ich das Rad von der Inspektion abgeholt hatte. Um 19:30 erreichten wir Zernez, den Start- und Zielort und netterweise bekam ich noch meinen Starterbeutel. Da wir in Zernez selbst kein Zimmer mehr bekommen hatten, mussten wir noch nach 20 km weiter ins Hotel fahren. Noch was Essen gehen, ein kurzer Blick in den Wetterbericht, der ab Mittag Gewitter und Regen prophezeite und dann ab ins Bett, um 5 Uhr sollte ja der Wecker klingeln.

Nach kurzer Nacht hieß es dann aufstehen, frühstücken, Klamotten packen und mit dem Rad zum Start rollen. 3 Minuten vor dem Startschuss reihte ich mich in meinen Startblock ein, dann ging es auch schon los. Das Wetter machte einen viel besseren Eindruck als erwartet, es war relativ warm und die Sonne ließ sich auch mal blicken.

Gleich nach dem Start ging es mit dem knapp 7 km langen Anstieg in Richtung Ofenpass zur Sache. Bevor ich jedoch in die Nähe des Ofenpasses kam, bog die Strecke rechts in den Tunnel in Richtung Livigno ab. Auf der anderen Seite ging es dann über die Staumauer des Lago di Livigno und die italienische Grenze, bevor ich Livigno selbst erreichte. Nach einem kurzen flachen Stück ging es in den Anstieg zum Forcola die Livigno und nach kurzer Abfahrt auch schon in Auffahrt zum Berninapass. Zwischen den Pässen überquerte die Strecke wieder die Schweizer Grenze und so ging es vom Berninapass in eine lange, schnelle Abfahrt. Ich fühlte mich gut und war zügig unterwegs, trotzdem gelang es mir auch immer wieder die überwältigenden Ausblicke zu genießen, ich liebe die Alpen einfach. In der Abfahrt erwischte ich im flacheren Teil eine schnelle Gruppe und kam so schnell wieder in Richtung Zernez, wo ich bei Streckenkilometer 97 um Punkt 10 Uhr über die Streckenteilung rauschte. Das war schon mal geschafft, aber jetzt sollte ein völlig anderes Rennen beginnen.

Nach kurzer Verschnaufpause startete der Anstieg zum Flüelapass, den ich genau wie den Berninapass vor einigen Jahren schon mal mit Gepäck überquert hatte, ich wusste also was mich erwartet. Direkt nach dem Einstieg war die Verkehrssituation grausam, da die Strecke nicht abgesperrt war. Viele Autos, Wohnmobile und Motorräder wurden durch die endlose Kette von Fahrradfahrern aufgehalten, was sich in einigen äußerst genervten Überholmanövern niederschlug. Immer wieder zwängten sich Fahrzeuge aufgrund von Gegenverkehr zwischen die Fahrräder und Radfahrer überholten Fahrzeuge auf allen Seiten, was zu Frust auf beiden Seiten führte. Die Situation entspannte sich aber zum Glück im weiteren Verlauf der Passstraße deutlich. Im letzten Drittel des Anstiegs verließen mich etwas die Kräfte was dem hohen Anfangstempo, aber wohl auch meiner allgemeinen Müdigkeit geschuldet war. Schließlich erreichte ich die 2383 m hohe Passhöhe und stürzte mich nach kurzem Stopp in die rasante Abfahrt nach Davos. Ich verpasste knapp eine Gruppe und fuhr allein weiter talwärts durch das Landwassertal, wo es nach einem langen Tunnel noch mal einen kurzen, knackigen Gegenanstieg gab, bevor es weiter bergab bis zur letzten Verpflegung in Alvaneu Bad, dem tiefsten Punkt der gesamten Strecke mit 957 m, ging.

Der Albulapass ist mit 2312 Metern zwar nicht ganz so hoch wie der Flüela, ließ mir auf seinen 26 Kilometern aber kaum Zeit zum Atemholen. Neben der Straße ließen sich immer wieder die Viadukte der Albula-Strecke der Rhätischen Bahn erblicken, die sich über Brücken und durch Tunnel nach oben schraubt. Der Anstieg war stellenweise extrem steil, insbesondere im ersten Drittel hatte ich zu kämpfen. Etwa 4 oder 5 km vor der Passhöhe fuhr ich in ein Gewitter und es regnete heftig. Auch in der Abfahrt änderte sich daran nicht, also fuhr ich vorsichtig durch die Kurven bis ins Tal. Nun noch 20 km lang das Tal hinunter, an unserem Hotel vorbei und das letzte Teilstück bereits zum dritten Mal an diesem Tag. Ich rollte schließlich nach 8h 58 min völlig erschöpft aber glücklich über die Ziellinie in Zernez, wo meine Freundin mich bereits erwartete.

Nach einer schnellen Dusche machten wir uns auf den Heimweg und waren schließlich gegen Mitternacht wieder zu Hause. Wenn ich darüber nachdenke, ist das schon alles ziemlich verrückt und alles nur um ein bisschen Fahrrad zu fahren, aber für die Runde hat sich die Anstrengung in jedem Fall gelohnt. Mein besonderer Dank gilt meiner Freundin Abby, ohne die dieser Trip so wohl kaum umsetzbar gewesen wäre. Dank auch an Sven Krautscheid für den technischen Support.

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