Meine 500

Die Idee kam mir im Zuge der Einschreibung zu Trondheim - Oslo (Styrkeprøven). Irgendwie dachte ich: So eine Distanz solltest du vorher mal gefahren sein. Nicht aus Trainingsgründen, sondern vielmehr aus psychologischen. Einfach um zu wissen wie sich das anfühlt und dass ich das schaffen kann. Zusätzlich reizte es mich auch eine komplette Nacht ohne Unterbrechung durchzufahren. Und was bietet sich mehr an, als das an einem verregneten und kalten Herbstwochenende im Oktober zu machen, wo die Nächte auf jeden Fall länger als 12 Stunden sind. Ist doch total logisch, oder seht ihr das anders? 😉

An Streckenideen fehlte es nicht und ich hatte interessante Ziele zur Auswahl: Berlin oder Paris sind beide ca 500km weit weg. Aber der Zeitaufwand wäre zu groß bei einer solchen Zielfahrt (was nicht heißt, dass diese Ideen komplett verworfen sind), also dachte ich an eine Runde, bei der ich ca 24 Stunden von zu Hause weg bin. Nordsee und zurück war eine Option und die andere eben Frankfurt. Da ich dort Verwandtschaft habe und die Strecken von/bis dort kenne, lud ich mich kurzerhand bei meiner Tante für Sonntagmorgen zum Frühstück ein. Ich schickte ihr noch ein Paket mit frischen Sachen und Verpflegung und bereitete alles vor.

Am Samstag, den 21.10. checkte ich unentwegt das Wetter. Es sah nicht so gut aus, speziell für Sonntag. Zur Abfahrtszeit um 18:30 regnete es dann wider erwarten auch noch... oh Mann! 🙁 Was würde das werden? Sollte ich das wirklich durchziehen? Ich fuhr um 18:40 einfach los ohne weiter darüber nachzudenken und wurde natürlich erst mal nass, nasse Füße inklusive. Egal, weiter gings, Balkantrasse und vorbei am Köln/Bonner Flughafen. Der Regen hörte schnell auf und in Bonn war es relativ warm, so dass ich trocknete und nicht fror.

Ich fuhr die Runde in dieser Richtung, um in der Nacht aus Sicherheitsgründen die Radwege am Rhein nutzen zu können und ich fuhr abends los, um zuerst die Nacht zu fahren und diese nicht müde in Angriff zu nehmen. In der Planung hatte das alles Sinn für mich gemacht und bewährte sich auch in der Praxis.

Alles lief gut, bis sich plötzlich bei Andernach die Pforten des Himmels öffneten und heftiger Regen von unbändigem Wind über die Straße gepeitscht wurde. Das saß ich für 20 Minuten unter einer Brücke aus und konnte dann weiter durch die wieder sternenklare Nacht fahren. Der Rest der Tour verlief gut. Ich kam durch Koblenz, Boppard, Oberwesel und Mainz, um schließlich im ersten Morgengrauen die Skyline von Frankfurt am Main zu erblicken. Auch Deutsches Eck und Loreley lagen auf meinem Weg, wobei letztere leider nicht zu sehen war.

In Heddernheim holte ich noch Brötchen und konnte dann nach Dusche und Klamottenwechsel mit meiner Tante in Eschersheim frühstücken. Da ich etwas hinter dem Zeitplan war, kam ich erst um 10 Uhr wieder aufs Rad. Trotzdem entschied ich mich für die alternative Route durch Taunus und Westerwald und nahm so noch fast den kompletten Feldberg mit. Auf wunderschönen Strecken ging es durch den Regen und knüppelharte Anstiege hinauf und hinunter. Die Kletterei nahm kein Ende und es wurde spürbar kälter. So fuhr ich langsam, aber beständig, denn Aufgeben war keine Option! Ich passierte Haiger, Siegen und Olpe und kam dem Ziel immer näher. Bald war ich wieder auf heimischen Straßen unterwegs, da wurde es dunkel und ich musste noch mal für 2 Stunden durch die Nacht fahren. Um kurz nach 8 kam ich in Gevelsberg an, völlig erschöpft und ziemlich durchgefroren. Meine Freundin Abby wartete schon mit dem Essen auf mich. Für ihren Support kann ich ihr gar nicht genug danken. Nach Dusche und Essen fiel ich sofort komatös ins Bett und schlief so fest wie lange nicht mehr.

Mein tiefer Dank gilt auch an meine Tante Christine, ohne die diese Aktion so nicht möglich gewesen wäre. Sie unterstützt schon immer meine mehr oder weniger verrückten Radsportaktionen. Vielen Dank und schön, dass wir uns mal wieder gesehen haben!

Mein Fazit ist, dass ich trotz des Wetters eine wunderschöne Tour hatte und dass 500km auf jeden Fall machbar sind. Was ist schon Trondheim - Oslo gegen ein Frühstück in Frankfurt?

Alexander König

 

22730202 1991618051109545 51396827812872176 n22687650 1991618097776207 2344673389491929209 n