Geschrieben von K.J.

Dortmund, 10. Juli 2011 - Westfalentriathlon / Kurzdistanz 1,50 km Swim / 40 km Bike / 10 km Run

Traumhafte Wettkampfbedingungen´: Strahlend blauer Himmel, gepearct mit paar Schleierwölkchen, ideale Wettkampftemperaturen zw. 22 und 24 Grad Celsius, kein Wind auf der Radstrecke, die "amtlich" gemessene Wassertemperatur betrug 20,5 Grad C. und so war das Schwimmen  im "Neo" freigegeben. Wetter ideal, Wettkampfbedingungen traumhaft, Organisation perfekt und im Start-Zielbereich war Stimmung - Triathlon von seiner besseren Seite. Der 10. Westfalentriathlon feierte mit knapp 800 Athleten und doppelt so vielen Zuschauern sein Jubiläum und krönte dieses mit einer gelungenen Veranstaltung..
Der Triathlonsport boomt. Aus einer Randsportart ist im Laufe weinger Jahre ein Breiten- und Spitzensport im Focus der Öffentlichkeit gerückt. Die Teilnehmerzahlen explodieren, die Finisherzeiten in den AKs sind auf dem Niveau der Profis vergangener Jahre, die Streckenrekorde purzeln und der Sport wird zunehmend von den Medien entdeckt. Die Elite-Athleten pulverisieren die langjährigen Rekordzeiten und selbst bei den AK-Athleten werden heute Zeiten realisiert, welche in der nahen Vergangenheit zu einem Podiumsplatz des Gesamtklassements gereicht hätten. (zu einem kritsch, nachdenklichen Bericht  über die Entwicklung im Tri-Sport, möchte ich euch demnächst einladen)

Dortmund war für mich ein Erfolg. Nach drei Jahren, in der 4. Saison, Triathlon bin ich in Dortmund mit Platz 5, in Schlagdistanz zu einem AK-Podiumsplatz aufgerückt. Drei Minuten Fehlzeit auf Platz 3. Bei dem Saerbecker Triathlon (siehe Bericht) betrug meine Laufzeit 47:00 Minuten. Gestern, beim Westfalentriathlon, konnte ich an diese Zeit nicht anknüpfen und kam nach 50:36 Minuten ins Ziel - so schlecht lief ich noch niemals zuvor bei einem Wettkampf. Ich fand meinen Laufrythmus nicht. Ich kam nicht ins Rennen. Ich wollte, aber es lief nicht. Als wenn ein Schalter auf "Aus" steht und du hast keine Chance diesen Umzustellen. Das sind verdammt lange 50 Minuten, in denen du immer wieder mit dir kämpfst, dich anstrengst und doch erkennen must, das der Schalter unerreicht bleibt. Bittere Momente. Da steigen Profis aus, aber wir AK-Athleten machen weiter und müssen uns später vor Vereinskollegen für die ereichte "Schlechtzeit" noch rechtfertigen. Die fehlenden drei Minuten sind es, die mich vom Podium trennen. Die Enttäuschung sitzt tief. Woran lag es? Gut die Strecke war 10,60 km lang. Bei einem 5er Lauf (5 Minuten pro km) macht das "mehr" von 600 Meter ca. 2:15 Minute aus. Das erklärt aber immer noch nicht meine gefühlt schlechte körperliche Verfassung bei diesem Lauf. Vielleicht hätte ich das Tempotraining am Dienstag auf der "Oberbergischen" moderater, nicht so hart, angehen sollen. Vielleicht lag es auch am Langlauftraining, Donnerstag bei dem Lauf  "Rund um den Baldeneysee". Vielleicht ....
Das Vielleicht hilft mir dauerhaft nicht weiter. Jeder Wettkampfsportler sollte seine  Leistungen kritisch analysieren, das gehört zum Sport. Aber er darf an seinen "Fehlschlägen" nicht verzweifeln. Das positive verarbeiten von "Fehlschlägen" macht den Athleten zum Sieger. Auch wenn er nur gegen seine Zeiten, gegen seine inneren Schweinehunde, siegt. Ich werde mit der Situation klar kommen und einiges an meinem Training und an meiner Wettkampfvorbereitung, in Absprache mit meinen Trainern, ändern. Und wenn ich nicht besser werden sollte? Schade, dann hab' auch ich mein Leistungspotenzial erreicht und muss erkennen, das "mehr" nicht geht. Dann fängt der Spaß doch erst richtig an.

Meine Schwimmzeit von 28:56 Minuten für 1.500 Meter bedeutete in Dortmund Platz 106. Meine Zeit aus dem Jahr 2009 von 36:25 Minuten ist damit eingestellt. Als Eva mir am Sonntag die Schwimmzeit zurief (sie hält jeden Wechsel zeitlich mit der Stoppuhr fest), war ich "mehr" als zufrieden mit meiner Leistung.
Die Radzeit von 1:05:36 Stunden incl. der beiden Wechselzeiten, war gleichbedeutend Platz 36 des Gesamtklassements. Ich glaube darüber brauchen wir nicht diskutieren. Eine absolute Topzeit. Ich bin 51 Jahre jung und halte auf dem Rad ganz vorne mit und das, obwohl ich das Sprinten über die 40 km "Kurzdistanzen" nie trainiere. Zu meinem Radtraining gehört das (Einzel-)Langstreckenfahren im Wind über Distanzen von 120 bis 240 km (=Tempohärte). Zudem arbeite ich wöchenentlich an meiner Kraftausdauer und trainiere diese bei Bergsprints innerhalb der bergischen RTF-Marathons. Als ich gestern in die zweite Runde einbog und mit Speed über die Kanalbrücke fuhr, spürte ich an den Zuschauermassen, dass ich ziemlich weit vorne lag. Ich setzte mich aufrecht im Sattel, machte eine Welle, um dann mit den den Händen zum Himmel Richtung der Zuschauer zu klatschen. Die Zuschauer machten begeistert mit, dann sah ich Eva und den Stolz in ihren Augen. Sie schrie mir die Zeit und  "Tempo!! Super Zeit und auf gehts" zu, dann machte der Kurs eine scharfe Rechtskurve und ich war wieder alleine. Später sagte sie zu mir, dass ich nicht immer den Pausenclown auf dem Rad spielen sollte - aber das Spielen mit den Zuschauern gehört für mich einfach dazu. Diesen kurzen Augenblick mit Eva werde ich nie vergessen. Auf der Strecke und jetzt vor dem PC hatte /habe ich schwer zu schlucken,dennoch kann ich die eine oder andere Träne nicht unterdrücken. Solche unvergessenen Momente sind der Lohn meiner Mühen. Das sind die Momente in meinem Sport für die es sich lohnt weiter um jede Sekunde zu kämpfen.
Natürlich kann ich über meine Laufzeit von 50:36 Minuten (Platz 95) nicht zufrieden sein. Für bessere Zeiten trainiere ich schließlich jeden Tag hart. Aber nicht am jeden Tag "läufts" gleich gut. Es gibt immer wieder gute, wie auch schlechte Tage. Mit diesen Auf und Ab, muss jeder Sportler lernen umzugehen, sonst ist die Gefahr der sportlichen Aufgabe groß - und das wäre doch schade. Zwar liegen die Topzeiten der Dortmunder Sieger ab 39:56 Minuten auch 3 Minuten über denen der Saerbecker Zeiten, doch mein "Gefühl" wird deswegen auch nicht besser. Auch wenn es mir im Moment schwer fällt meine Enttäuschung zu verbergen, ich werde die Ursache mit meinen Lauftrainern (Andrea und Alfred) aufarbeiten und gemeinsam mit ihnen meine weiteren "Zeitziele" definieren.
Immerhin habe ich in Dortmund im M-Gesamtklassement mit Platz 69 von 163 und Overall 72 von 200, einen großen Tri-Sprung nach vorne gemacht und meinen bisher guten Saisonverlauf bestätigt. Lagen meine Zeiten in den vergangenen Jahren noch im hinteren Drittel, so finden sie sich heute schon im Mittelfeld bzw. vorderen Drittel wieder.

Mit diesem Bericht verabschiede ich mich voerst von euch. Im September werde ich mich mit einem spannenden Bericht über mein Saison-Highlight wieder zurück melden. Diejenigen die meine Berichte regelmäßig lesen, wissen was dann kommt. Den anderen bleibt die Spannung erhalten.

Euch allen, ob RSCler, TriClubber, Wasserfreunde, Rad- und Lauffreunde, Einzelsportler und jeden Interessenten an meinen Sport, wünsche ich noch eine erfolgreiche zweite Hälfte der Saison 2011 - lasst das Wasser kochen, schaltet die Kette rechts und lasst die Socken qualmen.

Euer
K.J.