Geschrieben von K.J.

Samstag, 20. August 2011 - 31. Hagener RTF durch das reizvolle Sauerland

Sonne, Wärme, wolkenfreier Himmel und immer wieder geht mein Blick Richtung Tacho.
207, 208, 209, 210 bei 210,38 km bleibt mein Tageskilometerzähler stehen. 210,38 km nach Hagen, durch das reizvolle Sauerland und wieder zurück nach Schwelm liegen jetzt hinter mir. 17:00 Uhr, ich schließe die Haustür auf und stelle das Rad im Flur ab. In mir macht sich ein Gedanke breit:  "Was uns nicht tötet, macht uns nur noch härter!" 
Und mein Countdown läuft und läuft und läuf. Dabei fing alles so schön an .........

 

Am Donnerstag, während des Lang-Lauftrainings, fragte ich unseren Rad- und Lauftrainer: "Didi, treffen wir uns am Samstag zum Radtraining?" Was folgte war ein ultimativer Abriss. "Ja Klaus, das haben wir vor. Reinhold, Dietmar und ich wollen in Hagen die 156er fahren." "Super, hatte ich auch vor, bin dabei." "Klaus, wir wollen langsam fahren, im GA1 Bereich. 80 Prozent des Trainings sollten sich im GA1 Bereich befinden ... [was nun folgte, war eine halbe Stunde der Zurechtweisung in die Trainingsmethodik]...Wir fahren langsam, Pulswerte zw. 115 und max. 135, am Berg schön ruhig, Klaus. Da muss keiner dem anderen etwas beweisen. In einer Gruppe meint jeder sich irgendwie beweisen zu müssen, nicht wahr Klaus? Am Samstag ist langsam angesagt!!" Und jetzt aus Trotz. "Klar Didi, verstanden, muss ich lernen. So kurz vor meiner Langdistanz will ich mich etwas schonen und auch einen Gang runter schalten. Wann?" "9:00 Uhr Abfahrt ab Startstempel."

Ein kleiner Rückblick in wenigen Sätzen:

Am Sonntag, 7.8.11, hatten wir, 8 Triathleten, uns zur gemeinsamen Ronsdorfer RTF verabredet. Von Anfang an war das Tempo hoch. Zum einen lag es wohl an mir - mit mir vorne weg, wurde schon der erste Berg mit 38 km/h hochgefahren - zum anderen lag es an den nicht gemachten Pausen - die "Jungs" waren zeitweise sauer auf mich, weil ich den Zug durch das unbedingte Stempeln der Karte immer wieder unterbrach. Anhalten? NEIN!! Etwas (Pace) rausnehmen? Ja!! Also immer wieder ranfahren. - Zwischendurch regte ich zum "Belgischen Kreisel" an und zum Schluss, etwa bei Kilometer 90 warf Axel folgende Frage in die Runde: "Sollen wir noch einmal richtig Tempo machen?" Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. An der nächsten Ampel, sie stand auf rot, wieder Axel: "Klaus, fahr nach vorne und mach nochmal richtig Druck." Joo, Lust habe ich, also los. Mit einem Tempo von etwas mehr als 40 km/h im Wind fuhr ich nach vorne durch und der Zug kam ins Rollen. 4 von 8 sind diese abschließende Tempoverschärfung (i.M. 45 km/h) mitgegangen. Im Ziel schnell mit den anderen einen Kaffee getrunken, verabschiedet, die Laufschuhe an und  30 min Auslaufen. Wieder aufs Rad und zuhause angekommen stand mir ein riesengroßes Lächeln im Gesicht. "Na du hast aber Spaß gehabt!" "Jep, das war ein toller Tag. Super RTF. Besonders der letze Anstieg nach Langerfeld hoch - erzähle ich dir gleich." [...] "Und genau das sieht man dir an, Schatz!!"

Aber genau das, sollte sich rächen, der Ariss folgte - wie ihr jetzt wisst.

Wieder zurück ins reizvolle Sauerland.

Mit 6 Triathleten im Verband, fuhren wir im gemäßgten Tempo den Berg zur ersten Kontrolle hoch. Wie an einer Perlenschnurr aufgereiht, ein RTFler hinter dem nächsten - ein schönes Bild. Da sehe ich vor mir, das bekannte und von Weitem sichtbare Trikot des Schwelmer RSC. Hagen - Nein, nicht die gleichnamige Stadt, unser Hagen (Haaallloo, der Vorname ist nun mal Hagen - nomen est omen - Hagen in Hagen) vom Schwelmer RSC fährt rechts vor mir. Ich weiche nach links aus und mit dem rechten Arm auf seinen Rücken, schiebe ich ihn ein bisschen (2 Meter) den Berg hoch. "Wo sind Werner und Heiner?" "Werner musst du gerade überholt haben und Heiner ist irgendwo weiter vorne." "Gut, bis gleich und Tschüüüssss." Keine 500 Meter weiter ist die Kontrolle. Karte schnell Abstempeln lassen, aufsitzen und ... na? Was kommt jetzt? Richtig, heute ist langsam, das heißt der Trainer ist beim "Trinken und Essen" fassen und Gernot ist pin.... Gut, dann begrüße ich der Zwischenzeit die Silscheder. Wieder zurück am Rad und ganz in Gedanken, höre ich neben mir eine bekannte Stimme: "Für euch existieren die Berge nicht oder Klaus?" "Nööö Werner, hab ich nicht mitgekriegt, sind heute langsam unterwegs - GA1 du weißt. Berge wo?" "Mit wie viel fahrt ihr den sonst die Berge rauf?" Meint er diesen oder egal welchen - meint er Langerfeld? Nee, Langefeld war steiler oder? Ich schaue die Straße runter: Ja, vergleichbar.";Normalerweise mit 38, Werner."

Bei der Streckenteilung 110-156, etwa bei Kilometer 70 verabschiedeten sich zwei Triathleten und begaben sich auf der 110er Strecke. Irgendwie habe ich große Lust denen Gleich zu tun. In meinem Kopf rattert der Rechner: 110 + 2*21 (Sternfahrt) ergibt, rechne, rechne, rechne - auf jeden Fall 4 Punkte - Werner warte, ich komme. Zu spät - Nein, ich wollte es nicht anders - ich fahre die komplette Runde. Ein besonderes Hagener-RTF-Strecken-Kuriosum: Bei Kilometer 90 tangieren sich die 156er und die110er Strecke noch einmal. Und diese Gelegenheit nahm ein weiterer Triathlet zum Anlass auszusteigen. 3 von 6 blieben übrig. In Meinerzhagen kam dann das, was viele RTFler befürchten. Dietmar fuhr vorne im Wind und ließ es ordentlich rollen. Bergrunter, Rückenwind und die Sonne, machten uns wohl übermütig. Nur die rote Ampel in Meinerzhagen (RSC-Strecke) konnte uns aufhalten und damit gab "sie, die rote Ampel" uns die Gelegenheit zum Denken, zum Sprechen. "Habt ihr ein Schild gesehen? Ich schon lange nicht mehr! Dahinten könnte eins sein - lass uns hinfahren." >Jo, komma bei die Aldi bei< - stand darauf - nicht mehr und schon gar nicht "Hagener RTF". Nächste Ampel, gleiche Situation. "Ging doch nur geradeaus oder?" Ein Blick auf die Stempelkarte verriet uns, dass die RTF nicht durch Meinerzhagen führen sollte. Wo also haben wir das Schild verpasst? Und sollen wir trotzdem weiter Richtung Lüdenscheid oder doch lieber zurück fahren? Wir entschieden uns für zurück. Bergauf, Gegenwind und trotz der Sonne, sank die Stimmung auf den Gefrierpunkt. Schei.., hab keine Lust mehr. Und dann sprach unser Motivator: "Schon halbzwei durch und wir sind gerade bei 1.600 hm. Noch 600 hm und mind. 60 km, wenn die Angaben stimmen sollten." Neee, noch 81 km und gefühlte 100.000 hm habe ich vor mir. Doppel Schei.., will nach Hause.Wo ist das ungeliebte Schild? Ich will dich jetzt hier und sofort! Nach 5 km sahen wir "das" Schild. Denk positiv, das Schild kann nichts dafür - 10 km, Klaus, betrachte sie einfach als gewonne Trainingseinheit. Mit "dem" Schild wurde auch unsere Stimmung schlagartig besser. Jetzt erst recht: Schei.. was auf die Höhen.
Was nun folgte war alles, nur kein GA1 mehr. Der lange Anstieg zur vorletzten Kontrolle saugte die vorletzte Motivation aus unseren Beinen. Spätesten jetzt war ich froh, dass ich auf meine Zeitfahrmaschine verzichtet hatte und mein Racebike unterm Hintern hatte. Die Sitzposition und die Übersetzung kamen mir auf dieser RTF völlig entgegen. "Mein Gott, wie viele Anstiege kommen denn noch. Allmählich muss gut sein." "Die nehmen jeden Sauerlandhügel mit, diese Hagener." Diese und/oder ähnliche Sätze, kamen jetzt in Minutenabständen von dem einen oder dem anderen. Oben bei der Kontrolle angekommen, eine kurze Verpflegungspause, ein Blick auf den Strecken- und Höhenplan und weiter ging es. Man gab uns noch eine Warnung mit auf dem Weg. Das erste Teilstück durch den Wald ist eine gefährliche Abfahrt, steil und schlechte Fahrbahn. Egal, nur noch bergab, wie geil ist das denn. Aber die Abfahrt verlangte alles von uns ab. Auf engen Straßen steil berab, Spitzkehren mit Begegnungsverkehr, Schlagloch an Schlagloch und vor allem breite Längsrisse - saugefährlich, wie Schienen (grins). Unten angekommen, fuhren wir zw. 38 und 42 km/h durchs Tal. Halt, Stop, erst einmal musste ich meinen Sattel-Schnellspanner wieder festziehen und den Tachosender an der Gabel mit dem Magneten an der Speiche justieren. Sowohl Schnellspanner, als auch der Sender/Magnet hatten sich auf der Marterpiste gelockert und verschoben.. Weiter gehts - Kilometer um Kilometer spulten wir in fast gleichbleibend hoher Geschwindigkeit ab. Irgendwann kamen wir ans Ziel. Unsere fast einheitliche Durchschnittsgeschwindigkeit betrug ?? km/h. Schnell noch einen Kaffee, die komplett gestempelte Streckenkarte gegen Punkte tauschen und wieder aufs Rad steigen. Die letzten 21 Kilometer schaffe ich auch noch.

Spaß hat es gemacht, aber der Tag war rum. Langsam waren wir nicht, aber Ronsdorf war es auch nicht. Ich wollte spätestens um 15:00 Uhr zuhause sein, 17:00 ist es geworden. Wollte mit Eva abends nach Düsseldorf - 'nen Alt schlabbern. Bis zur Couch und zum Fernsehen bin ich gekommen. Wollte am Sonntag Laufen und Schwimmen, vielleicht mit einer klitzekleinen Radeinheit gespickt. Aber da saßen Eva und ich in Düsseldorf am Jan-Wellem-Platz mit zwei riesengroßen Kaffees auf dem Tisch und ließen es uns gut gehen.

Noch 13 Tage bis zur Langdistanz 3,8/180/42 - Schmerz lass nach, Bitte - der Countdown läuft und läuft und läuft ......

K.J.
(Am Sonntag, 14.8.11 war der Rheine Chanel Triathlon. Kurzfristig hatte ich mich entschlossen daran teilzunehmen - Olympische Distanz. Vom Tri Club war die 1.bis 3. Mannschaft der  NRW und Master Liga anwesend. Da ein Triathlet ausgefallen war, sollte ich in der Master Liga für den Tri Club starten. Nein, geht nicht - ich starte für den SchwelmerRSC. Vielleicht schreibe ich noch einen Bericht über uns, Felix.)