Geschrieben von KJ


Köln, 4. September 2011 - Cologne226 -- The Iron Distance
                                              3,8 km / 180 km / 42,2 km
                                              German Championchip


Sonntagmorgen 7:06 Uhr fällt der Startschuss zur Cologne two two six - The Iron Distance - "The German Championship - die Deutsche Meisterschaft der Langdistanz". 18:44 Uhr bekomme ich mein weißes Finisher-T-Shirt 2011 übergeben. 22:13 Uhr lese ich im Internet in der Ergbnisliste: 11:29:12 Stunden bedeuten Platz 191 im M-Gesamtklassement, Platz 6 meiner AK 50 und Platz 4 meiner AK 50 bei den Deutschen Meisterschaften. Platz 4 (AK 50) der Deutschen Meisterschaften, wiederum weniger als 3 Minuten zum Podium (siehe Saerbeck) - Enttäuscht NEIN, ich habe alles gegeben und bin unendlich zufrieden.

Sonntag, 3:45 Uhr der Wecker klingelt, während ich mich aus dem Bett quäle, kocht  Eva schon den Kaffee. Die Anspannung steigt, in etwas mehr als 3 Stunden beginnt mein sportliches Highlight. Jetzt sitze ich hier am "Frühstückstisch", trinke Kaffee und beisse in mein Snickerbrötchen (grins - Brötchen mit Quark, Nutella und Erdnusscreme). Mein Vor-dem-Wettkampf-Lieblingsessen. 4:40 Uhr Abfahrt Richtung Köln zum Fühlinger See. Hier auf der Regattastrecke des Fühlinger Sees soll um 7:05 Uhr mit dem Startschuss der Triathlon Cologne226 beginnen. Aber noch sind wir auf der Autobahn. Mit geschlossenen Augen und konzentriert auf den Wettkampf, höre ich aus dem Radio das Wort "Speerung der..".  Bestimmt irgendwo, aber hier ist es ruhig.  Die Ausfahrt "Burscheid" 1.000 Meter - Blaulicht, gelbe Blitze, Abweiser, Polizei. "Die Ausfahrt ist gesperrt, Klaus!" "Nein, bestimmt nur die eine Spur, warte mal. Sch.. doch beide Fahrspuren." Tatsächlich, ab Burscheid war die Autobahn gesperrt. Was folgte war eine Odyssee über Umleitungsstrecken. Irgendwann, es war mittlerweile 5:35 Uhr, noch eine Stunde bis zur Wettkampfbesprechung, waren wir auf der A3 - irgendwo zw. Köln und Leverkusen und unsere "Susi"(Navigationsgerät) versuchte uns immer wieder auf die A1 zu führen. "Nicht Lustig", dass war überhaupt nicht lustig. Durch ihre ständigen Wiederholungen "bitte wenden sie" mit dieser  nervtötenden, monotonen Stimme wurde die Anspannung im Auto höher. "Eva, fahr nach Hause. Ich habe keine Lust mehr." Eva, fuhr nicht nach Hause, sie kämpfte und irgendwann gegen 6:00 Uhr kamen wir am Fühlinger See an. Während ich mir die Wettkampfbeutel schnappte und zur Wechselzone rannte, versuchte Eva das Auto irgendwo zu parken. 6:25 Uhr, Gott sei Dank hatte ich am Samstag schon das Rad eingecheckt, war ich mit dem Einrichten der Wechselzone fertig. 6:30 Uhr auf dem Weg zur Wettkampfbesprechung treffe ich Eva wieder. Küsschen und einmal fest Umarmen, Händchen halten und weiter gehts. Ich muss mir noch den Oberarm mit meiner Startnummer 214 beschriften lassen. 6:50 Uhr, wir dürfen ins Wasser. 6:55 Uhr die Deutsche Nationalhymne wird Live von einem Musicalstar gesungen. Gänsehaut pur. 7:00 Uhr der Startschuss für die Elite fällt. Längs der Regattabahn entflammt ein Feuerwerk, es knallt und raucht und die Stadionstimme euphorisiert die Athleten und Zuschauer. 7:05 Uhr aus den Lautsprechern schallt: "Alle Athleten hinter die Startlinie zurück - KEIN Start!" Um 7:06 Uhr fällt dann auch der Startschuss für uns - endlich -, das Feuerwerk brennt und mein Wettkampf beginnt.


Nach 1ner Stunde und 21 Minuten verlasse ich das Wasser. 3,80 Kilometer habe ich geschafft, nur noch 222 Kilometer liegen vor mir. Ich bin völlig entspannt, als ich den Weg zur Wechselzone hochlaufe. Ich lache, küsse Eva, klatsche zugereichte Hände ab und treffe auf Claudia, Sabine und Lutz - Tri-Clubber. "Wie gehts, lauf, gib alles." Und das alles in einem Satz. "Super, mach ich, bis gleich." Was immer "bis gleich" auch zu bedeuten hat. Hört sich auf jeden Fall besser an, als " bis in 12 Stunden" oder? Jetzt beginnt meine Lieblingsdisziplin und die Warnung meiner Trainer und Vereinsmitglieder klingt noch in meinen Ohren: "Klaus ruhig, nicht überpacen!" Bei Kilometer 16 rattert es am Vorderrad, mein Herz klopft. Was ist das? Mein Kopf schreit "sofort anhalten", doch meine Beine wiedersetzen sich mit aller Kraft diesem Befehl. Ein Blick auf das Vorderrad und die Hände greifen zur Bremse. Der Tachosender an der Gabel hat sich gelockert und ist Richtung Nabe gerutscht. Nicht daran denken was passiert wäre, wenn sich der Sender zw. Gabel, Nabe und Speichen verkeilt hätte. Was jetzt?? Mit einem kräftigen Ruck ziehe ich den Sender hoch. Probe, er hält. Ab jetzt gibt es kein Tacho mehr für mich. Keine Angaben mehr über die zurückgelegten Kilometer, der Geschwindigkeit, der Trittfrequenz und der Durchschnittsgeschwindigkeit. Egal, das ist zwar ärgerlich, aber es geht auch ohne. Ansonsten sind die folgenden 163 Radkilometer eher unspektakulär. Vielleicht noch zwei kleine Episoden: Natürlich machte ich mir noch Gedanken über den "festgesetzten" Sender. Hält er oder hält er nicht. Da sehe ich vor mir ein Polizeimotorrad mit Fahrerin stehen. "Haben Sie ein Messer oder eine Schere für mich?" Verwirrter konnte die Polizistin nicht gucken. "Neeee!"  

Eine Rechtskurve. Ich fuhr die Kurve innen und  ca. 20 Meter links aussen vor mir ein anderer Triathlet mit seiner Zeitfahrmaschine. Ich glaube er war im Nirwana, anders kann ich mir das Folgende nicht erklären. Er fuhr einfach weiter geradeaus auf die Absperrung zu. "Lenken, Bremsen", wollte ich noch rufen, aber da knallte es schon. Das Hintrrad hob ab und mit der Nase an der Absperrung rutschte er an dieser Richtung Asphalt. Helfer waren sofort zur Stelle und wie es für den Athleten weiterging? - Ich weiß es nicht.

Nach 5:19 Stunden,  insgesamt befand ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits seit 6:50 Stunden im Wettkampf mit der Zeit, verließ ich die Wechselzone II - Bike to run. 184 Kilometer sind geschafft, der Marathon steht noch aus. Drei Runden a 14 Kilometer plus dem Zieleinlauf. Ok, let's run. Alle 2,5 Kilometer ein Verpflegungstation. Alle 2,5 Kilometer einen Becher mit Wasser und/oder Cola, Isogetränk. Alle 5 Kilometer ein flüssiges Gel - flüssige Kohlenhydrate. Und dann kam das, was kommen musste. Zwischen Kilometer 18 und 19 habe ich mir den gesamten Mageninhalt noch einmal durch den "Kopf" gehen lassen.  Danach lief ich weiter, weiter und weiter. Nach  4:39 Laufstunden war der Triathlon Geschichte. Ich lief über den roten Teppich, sah Eva, hielt kurz an, ein Küsschen und dann ab über die Zeitmatte, der Finishline. Hinter dem Zielbogen erwarteten mich hübsche Frauen, welche es gar nicht abwarten konnten mir das weiße Finishershirt, einen Blumenkranz (Hawaii lässt grüßen) und die Medailie zu übergeben bzw. umzuhängen. Da kam ein Mann (Arzt) auf mich zu: "Herzlichen Glückwunsch. Alles in Ordnung?" Ich fing an zu torkeln, mein Gleichgewichtssinn war abgeschaltet, hatte sich eine kurze Auszeit genommen. "Ja, muss mich setzen!" "OK, ich halte dich fest, komm mit."  - Hehe, Halllooo, nee, nee, nee.  - "Ist schon OK. Da ist meine Frau." "Wirklich??" Junge, mein Name ist "Vertraumir" und mein Vorname "Glaubmir". Da wollte mir eine freundliche Helferin eine Cola reichen. Ich weiß, sie hat es mehr als gut gemeint. Aber alleine der Geruch, der Gedanke an diese braun-schwarz-sirupartige Flüssigkeit ließ mich blaß und meinen Würgereiz groß werden. Bloß weg von hier, sonst kommt gleich noch der Arzt. Ich gehe auf Eva zu und das einzige was ich will ist ein freier Platz auf den Rasen. "Georg ist 10 Minuten vor dir ins Ziel gelaufen." "He, nur 10 Minuten. Schade, hat nicht geklappt, wollte vor ihm da sein." Ihr müsst wissen, Georg ist auf der Mitteldistanz (1,9/90/21) gewesen und um 12:30 Uhr gestartet. Es war sein erster Triathlon überhaupt und deshalb war die Flaxerei groß. "Georg, wenn du im Ziel bist, bin ich schon beim Duschen." Na ja, das hat nicht geklappt. 10 Minuten hat er rausgekämpft.  Beide haben wir alles gegeben, erfolgreich das Ziel erreicht und daher dürfen wir uns als Sieger fühlen.


                 Georg (re, 1698) und Klaus (li, 214) mit den Siegermedailien und dem Dom im Hintergrund

Zwei Tage später sitze ich beim Arzt. Mein rechtes Kniegelenk ist angeschwollen und die Schmerzen sind höllisch. Schmerztabletten, Mobilat und ganz viel Ruhe ist die Medizin für die vorläufige Diagnose: Meniskus "Überlastung?" oder "Riss?". Die endgültige Diagnose soll die MRT nach dem Abklingen der Schwellung bringen.

Klaus bei der Cologne226

Swim:    1:21:04    Stunden         für 3,8 km
Bike:      5:19:16    Stunden        für 180 km
Run:       4:39:02   Stunden         für 42,2 km
 
Wechsel I = swim to bike = 0:4:45 Stunden
Wechsel II =   bike to run = 0:5:07 Stunden

Total: 11:29:12     Stunden
Platz 191 im Gesamtklassement-M
Platz 6 von 28 in meiner  Alterklasse  50  (AK 50)

Platz 122 des Gesamtklassements-M der Deutschen Meisterschaft "German Championship"
Platz  4 AK 50 der Deutschen Meisterschaft
Nur  2 Minuten 15 Sekunden auf den 3. Platz.

Wie geht es weiter?
Zuerst muss mein Knie, der Meniskus, wieder in Ordnung werden. Die absolute Gesundheit ist eine Voraussetzung für den Leistungssport und mein weiteres Training und damit für meine weitere Zielsetzung.
Aber eins ist schon ganz sicher: In Köln werde ich als Einzelsportler nicht mehr teilnehmen. Ich habe zwar nicht alles erreicht, aber vieles. 2maliger Teilnehmer an der Mitteldistanz und jetzt auf der Langdistanz gestartet. Noch einmal? Jedes Jahr den gleichen Wettkampf, gleiche Strecken? Nein, das wäre mir zu langweilig. Ein Ausnahme mache ich dennoch. Rainer (Bäcker, Tri Club), Szymon (Kipas, Tri Club) und ich wollen im nächsten Jahr gemeinsam als Staffel an einem Langdistanztriathlon teilnehmen. Bevorzugt ist die "Chalange" in Roth. Der Start in Roth hat Kultfaktor. Der IronMan auf Hawaii und die Challange in Roth, sind das Mekka der Triathleten. Nur wenn Roth (seit Juni ausgebucht) über die Nachrücklisten nicht klappt, melden wir uns für Köln an. Eine Einzelsportart als Team zu bewältigen, das ist Sport, das ist eine neue Herausforderung für mich. Einfach ein Gefühl der Gemeinschaft - also Gänsehaut feeling.

Denkt daran, in absehbarer Zeit werde ich noch einen Bericht schreiben: Wie Vorangekündigt handelt es sich hierbei um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Triathlon.

Tschüss bis ???
K.J.